Füreinander einstehen in der Krise

An der Demonstration haben trotz Sturms und drohenden Regens etwas mehr als 200 Personen teilgenommen. Sie begann am Krankenhaus mit der Begrüßung durch die Veranstalter*innen „Bündnis gegen Rechts Wendland / Altmark“, einer Rede einer Vertreterin des Kreisverbands Bündnis 90 / Die GrünenAltmark und der Rede unserer BI, die hier im Anschluss dokumentiert wird. Die Demonstration endete am Rathausturmplatz mit weiteren Beiträgen, die sich außerdem mit den sog. Spaziergängen auseinandersetzten, zu denen auch rechte Organisationen aufrufen.

Redebeitrag der
BI Unser Krankenhaus im Wendland –
Für eine Klinik in öffentlichen Händen

Mein Name ist Holger Deilke, ich spreche hier für die BI „Unser Krankenhaus im Wendland – für eine Klinik in öffentlichen Händen“. Wir haben uns sehr gefreut über die Einladung, hier unter diesem schönen Motto zu euch zu sprechen:

FÜREINANDER. EINSTEHEN. In der KRISE.

Sehr schön. Füreinander einzustehen ist IMMER die stabilste, sozialste, am Menschen orientierte Haltung und Grundlage für eine Gemeinschaft und damit auch für die einzelnen Menschen. Und: Krise ist IMMER. Besonders in Zeiten, in denen existentielle Fragen Profit erwirtschaften müssen.

Unsere BI hat sich im Sommer 2021 gegründet und stand von Anfang an auf 2 Beinen. 

Es gab Gerüchte über eine drohende Insolvenz der Elbe-Jeetzel-Klinik in Dannenberg. Da reifte die Idee, dass es angeraten ist das Krankenhaus zurück in öffentliche Hände zu legen und die Finanzierung neu zu diskutieren.

Außerdem wurden die Arbeitsbedingungen in der Elbe-Jeetzel-Klinik – dem Capio-Konzern angegliedert –bekannt. Das führte zur Gründung einer AG zur Unterstützung der Beschäftigten. 

So schlossen wir uns zusammen zur „BI Unser Krankenhaus im Wendland“. 

Die Landesregierung Niedersachsen will noch dieses Jahr ein Gesetz durchdrücken, mit dessen Hilfe etwa 40 „unrentable“ Kliniken geschlossen werden sollen. Vielleicht nicht alle, aber da müssen die einzelnen Kliniken sich jetzt mal ordentlich anstrengen um dem zu entkommen. Der seit diesem Januar neue Verwaltungsdirektor der EJK Kuska hat sich schon öffentlich positioniert, indem er die Krankenhäuser in Uelzen und Salzwedel als „Konkurrenz“ bezeichnete, der Patient*innen abgeworben werden müssten. 

2020, im ersten Jahr der Pandemie, sind bundesweit 20 Kliniken geschlossen worden. Dieser Prozess wird weiterhin durch ein Bundesstrukturprogramm gefördert, in einer Zeit, in der der Bedarf einer großen Anzahl von Klinikbetten offensichtlich ist. Das heißt: die Last der Gesundheitsversorgung in den Krankenhäusern wird auf immer weniger Schultern, den Pfleger*innen geladen. Je größer die Last, desto weniger die Schultern: die Fluktuation beim Pflegepersonal in den Kliniken hält an. Sie können nicht mehr. Und je mehr aufgeben, desto größer wird die Last für die anderen. Eine Spirale des Grauens. Und angesichts der Tatsache, dass das Pflegepersonal zum überwiegenden Teil aus Frauen besteht, manifestiert sich damit das patriarchale Verhältnis unseres „Gesundheits“systems den Arbeitenden und damit auch den Patient*innen gegenüber. 

Deshalb ist derzeit eine der Hauptaktivitäten unserer BI, die Angestellten des Krankenhauses in ihrem Kampf um einen Entlastungstarifvertrag zu unterstützen. Den Tarifvertrag für die finanzielle Angleichung an die öffentlichen Dienste konnten die Beschäftigten zum Januar 2020 durchsetzen. Geld ist nötig, kann aber die miserablen Arbeitsbedingungen nicht aufwiegen. Der erwähnte neue Verwaltungsdirektor Kuska behauptet in der Zeitung, die Klinik sei mit der Anzahl der Pflegekräfte gut aufgestellt. Wie sollen so mehr Menschen in den Pflegeberuf kommen UND BLEIBEN? Wie sollen sich dort die Patient*innen aufgehoben und gut versorgt fühlen? Wir sind doch keine biologischen Maschinen, keine Werkstücke, an denen rumgeschraubt wird; wir sind komplexe Wesen, eingebettet in vernetzte ökologische Kreisläufe. 

Gesundheit ist eine Frage der Grundversorgung, und die kostet halt – Wirtschaftlichkeit hat da keinen Platz. Zum Beispiel Feuerwehr: Privatwirtschaftlich organisiert hat sie kein Interesse am Erhalt von Gütern, sondern verdient am Löschen. Und dafür müsste es immer mal wieder brennen, schon um die laufenden Kosten zu decken. Privatwirtschaft im Gesundheitswesen? Sie BRAUCHT die Krankheit zum Geldverdienen. Jede Krankheit/jeder Patient eine neue Einnahmequelle. Eine Gesundheitsversorgung in gesellschaftlichen Händen braucht dagegen nicht die Krankheit, sondern GESUNDE Menschen. 
Deshalb brauchen wir Personalerhöhung, Arbeitsverkürzung und bessere Bezahlung. Wir brauchen den Ausbau einer umfassenden Gesundheitsversorgung mit einer sozialen Medizin, die Arbeits- und Lebensverhältnisse miteinbezieht und auf das Gemeinwohl ausgerichtet ist. 

Füreinander einstehen. 

Die Gesellschaft besteht aus Menschen, die sehr unterschiedliche Bedarfe haben. Was wir alle brauchen ist Zuwendung, Empathie, Aufmerksamkeit, gegenseitige Hilfe, Vertrauen und Liebe. Das müssen wir uns alle wieder aneignen – zuhören, über den eigenen Tellerrand hinaus denken. Gesundheit und ihre Ressourcen ist für alle, und zwar weltweit. Oder sie ist nicht.

Der Aufgaben sind viele. Wir versuchen möglichst viele Menschen in unserer Region mit Informationen zu erreichen und in die Diskussion einzubeziehen. Wir wollen und müssen mehr werden, um die verschiedenen Aspekte einzubeziehen und von erfolgreichen Kämpfen – wie grad bei Charité und Vivantes in Berlin – zu lernen. Wir stoßen auf viel Interesse und offene Ohren. So könnte es doch sein: das Krankenhaus ist ein Ort zum Gesunden für viele, und wird deshalb auch von vielen getragen und geprägt. Leute: das geht!

Nächstes Treffen der BI

Das nächste BI-Treffen findet am 24.2. um 19:00 Uhr statt; bitte vorher anfragen, wir treffen uns voraussichtlich online. Ihr seid herzlich eingeladen, daran sowie auch an den Mahnwachen teilzunehmen!

Initiative Unsere Gesundheit – Unser Krankenhaus, Januar 2022 

2 thoughts on “Füreinander einstehen in der Krise

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