Ein Schritt in die falsche Richtung

Stellungnahme zum geplanten Einstieg der Capiton AG in die Elbe-Jeetzel-Klinik

Den Einstieg eines Beteiligungsunternehmens in das einzige Krankenhaus unseres Landkreises könnte man als ein gutes Zeichen werten. Schließlich kommt auf diese Weise frisches Geld in das System und die Zukunft der Klinik scheint damit auf die nächsten Jahre gesichert. 

Die Umstände und Bedingungen, unter denen dieses Geld fließt, geben allerdings großen Anlass zur Sorge. Machen wir uns nichts vor: Sinn und Zweck dieser Gesellschaft ist es, Rendite für seine Anleger zu erwirtschaften. Wenn Capiton wirklich als großer Akteur in die EJK einsteigt, geht es ihnen nicht um eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung für den Landkreis. Im besten Fall könnte sich die Leistungsfähigkeit der Klinik auf eine Weise verbessern, von denen auch die Bevölkerung vor Ort einen Vorteil hat. Wir können allerdings davon ausgehen, dass sich das höchstens als Nebenprodukt ergibt, falls es den Renditezielen dient. 

Wer diese zusätzliche Rendite erwirtschaften soll, ist leider auch offensichtlich: Es werden die Beschäftigten sein, die schon seit langem unter den unzumutbaren Arbeitsbedingungen leiden. Und welche Folgen es hat, wenn gewinnorientierte Akteure im Gesundheitssektor das Sagen haben, lässt sich überall beobachten: Die Arbeitsverdichtung und Überlastung der Beschäftigten hat solche Ausmaße angenommen, dass trotz der großen Summen, die in das System fließen, die Patientenversorgung eher schlechter wird. 

Wir werden die Beschäftigten in ihren Kämpfen um bessere Arbeitsbedingungen weiter unterstützen, egal unter welchen Eigentümern. 

Bekannt ist das Geschäftsmodell von Capiton: Sie machen Unternehmen „rentabler“ und verkaufen anschließend wieder mit Gewinn, egal ob es sich um Industrieanlagen, Tierfutter oder IT handelt. Somit steht auch bei einem Einstieg von Capiton der nächste Verkauf schon am Horizont. 

Welche Rolle die EJK dabei spielen soll, ist allerdings unklar. Braucht die Capiton AG die Klinik nur, um andernorts Medizinische Versorgungszentren betreiben zu dürfen? Will sie die Klinik mit anderen Kliniken zusammenschließen, um einen Krankenhauskonzern aufzubauen? Sieht sie in unserem Krankenhaus einen Absatzmarkt für ihre Unternehmen aus der Pharma- und Medizintechnikbranche? Wir können nur mutmaßen. 

Capiton und die Geschäftsführung der EJK halten sich dazu höflich bedeckt. Über Pläne und Ziele, die mit dem Einstieg verbunden sind, wolle man sich erst äußern, wenn dieser vollzogen sei. 

Was für ein Armutszeugnis für unser Gesundheitssystem: Anstatt dass Politik und Bevölkerung über ein so wichtiges öffentliches Gut wie unsere Gesundheitsversorgung diskutieren und entscheiden können, sind wir angewiesen auf Spekulationen und Mutmaßungen. Dies zeigt überdeutlich, wie wichtig es ist, unsere Gesundheitsversorgung wieder in öffentliche Hände zu bekommen. Dafür werden wir uns weiter einsetzen. 

Ein Einstieg der Capiton AG in die Elbe-Jeetzel-Klinik ist ein Schritt in die deutlich falsche Richtung. Es ist nicht zu erwarten, dass sich unter diesen Vorzeichen die gesundheitliche Versorgung in unserer Region und mit unserem Krankenhaus verbessert. 

Wir fordern die Politik auf, als gewählte Vertretung der Bevölkerung, sich einzusetzen für ein Krankenhaus, das der Region dient und in dem die Beschäftigten unter den bestmöglichen Bedingungen arbeiten können – in unser aller Interesse. Prüfen Sie gründlich, welche Möglichkeiten Sie haben, um Kontrolle auszuüben oder Einfluss zu nehmen. Und nutzen sie diese Möglichkeiten, um die EJK und Capiton in die Verantwortung zu nehmen – und mittelfristig um unser Krankenhaus wieder in öffentliche Hände zu übernehmen. 

Wir rufen all diejenigen auf, die in unserer Region wohnen und denen ein gutes Krankenhaus vor Ort am Herzen liegt: Bringt euch ein, zeigt eure Unterstützung für die Beschäftigten und streitet mit uns für ein Krankenhaus, das unserer Gesundheit dient und nicht der Rendite anonymer Aktionäre. 

Initiative Unsere Gesundheit – Unser Krankenhaus, Dezember 2021 

Wer sich die Stellungnahme als PDF herunterladen will, um sie vielleicht weiterzugeben oder auszulegen, kann das hier tun.

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